Tom Holzmann – Unser Mann für Hawaii …

Dürfen wir vorstellen: Tom Holzmann – 24 Jahre, aus Kirchheimbolanden und Triathlet

Tom gehört in seiner Altersklasse (männlich, 18-24 Jahre) zu den besten deutschen Triathleten und hat dies beim offiziellen Qualifikationswettkampf “Ironman Germany” in Frankfurt deutlich unter Beweis gestellt. In 09 Stunden und 36 Minuten legte er am heißesten Tag des Jahres einen herausragenden Wettkampf hin und lief nach 3,8 km Schwimmen, 185 km Fahrrad fahren und 42,2 km Laufen als Erster ins Ziel ein. Bemerkenswert: Der Zweitplatzierte lag mit 10 Stunden und 17 Minuten ziemlich deutlich hinter Tom.
Mit diesem Sieg löste er das Ticket zu einem der ältesten und anspruchsvollsten Ausdauerwettkämpfen der Welt: IRONMAN WORLD CHAMPIONSHIP am Samstag, den 12.10.2019 auf Hawaii.

2019 Ironman World Championship
Tom ist mit einer sensationellen Zeit von 9:13:35 (Stunden/Minuten/Sekunden) ins Ziel beim großen VEGA Ironman WORLD Championship eingelaufen und hat damit eine neue persönliche Bestzeit erreicht.

Mit diesem herausragenden Ergebnis belegt er in seiner Altersklasse (M, 18-24) den 3. Platz bei 41 Teilnehmern.
Außerdem bedeutet diese Zeit Platz 116 von allen 2.370 Teilnehmern des gesamten Wettkampfes.

HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH zu dieser wahnsinnig guten Leistung, Tom!
Wir sind stolz auf dich und freuen uns einen der interessantesten deutschen Nachwuchshoffnungen aus unserer Stadt ab sofort zu unterstützen und mit ihm gemeinsam an seinen Zielen zu arbeiten.

Zum Wettkampf hat Tom einen eigenen Racebericht geschrieben und gibt spannende Einblicke in die Gefühlswelt eines Triathleten …
Die Vorbereitung bis zum Abflug, ausgenommen des unabdingbaren Chaos beim Zusammenpacken, verlief nahezu reibungslos. Diese perfekte Vorbereitung dauerte an bis wir auf Hawaii eintrafen.
Bei meinem ersten Schwimmen im offenen Meer wurde ich von einer Welle gegen das, leider extrem scharfkantige hawaiianische Lawagestein geschleudert. Dieser kleine Ausflug in den Pazifik hatte zwei Fleischwunden an Rücken und Hüfte zur Folge. Dazu noch Prellungen, Abschürfungen und knappe 20 Seeigelstacheln in meinen Füßen. Meine Familie war also am ersten Urlaubstag auf Big Island gezwungen, den Strand gegen eine eiskalte Ecke im Wartebereich eines Emergency Rooms einzutauschen. Nach 15 Klammern in Rücken und Hüfte sowie einer eingehenden Wundsäuberung konnte ich die Notaufnahme wieder verlassen. Das ich auf Empfehlung der Ärzte zwei Tage gänzlich auf Sport und mehr als eine Woche auf Schwimmen verzichten sollte war natürlich alles andere als optimal.
Meine ersten Tage auf Hawaii verbrachte ich somit, dank Jetlag und Verletzungen (zumeist schlecht gelaunt) unter einem Sonnenschirm an den umliegenden Stränden, natürlich ohne jegliche Möglichkeit sich im Wasser abzukühlen. Es erscheint auch mir im Nachgang etwas merkwürdig, dass ich die paradiesischen Strände nicht wirklich genießen konnte. Ich war wohl zu fokussiert auf den Gedanken durch einen Trainingsausfall meine gute Form zu ruinieren.
Als ich am dritten Tag nach dem Unfall wieder auf dem Rad saß, fühlte sich das alles irgendwie falsch und unrund an – wahrscheinlich war hierfür neben den Verletzungen auch das Klima auf Big Island verantwortlich. In den folgenden Tagen besserte sich alles jedoch Stück für Stück. Ich begann mich langsam an die Hitze zu gewöhnen. Auch die Verletzungen machten beim Radfahren immer weniger Probleme, sodass ich in den folgenden Tagen auch das Lauftraining wieder aufnehmen konnte. Schwimmen setzte ich ganze 9 Tage aus, weshalb ich vor dem Wettkampf (neben 2 Einheiten um mich an das Schwimmen im Meer zu gewöhnen) nur eine harte Session zusammenbekam.
Die Tage bis Mittwoch vor dem Rennen vergingen dann, in Abwechslung zwischen Training und Entspannung am Strand, wie im Flug. Zwar war in meinen Gedanken, sowohl unmittelbar nach dem Unfall als auch in den Tagen danach, mein Start niemals ernsthaft in Gefahr, dennoch war ich auf einmal einfach dankbar das Rennen überhaupt bestreiten zu können. Um eine Platzierung machte ich mir zunächst keine Gedanken.
Die Nervosität kam dann jedoch (und dafür umso heftiger) gut drei Tage für dem Rennen. Es herrschte eine unglaublich nervöse Stimmung bei den zahlreichen Triathleten welche kurz vor dem großen Tag die Bucht von Kailua bevölkerten.
In der Nacht auf Samstag habe ich trotz aller Nervosität einigermaßen gut geschlafen. So gut zumindest, wie es möglich ist, wenn der Wecker einen um 3.30 Uhr aus dem Bett reißt. Nach einem einfachen Frühstück ging es in die Wechselzone, um die letzten Handgriffe am Rad vorzunehmen und die Zeit bis zum Start abzuwarten.
Als um 6.55 Uhr meine Startgruppe auf den Weg geschickt wurde, konnte ich mich aus der Mitte des Feldes in den nächsten Minuten in einer Gruppe platzieren. Auch wenn es einige Kämpfe um die besten Positionen im Pulk gab und das Schwimmen aufgrund der hohen Wellen etwas chaotisch ablief, gingen die Teilnehmer im Großen und Ganzen fair miteinander um. (Das hätte ich bei einer Weltmeisterschaft, bei der es für viele um Platzierungen und Bestzeiten und nicht um das Finish-Erlebnis als solches geht nicht unbedingt erwartet).

Der Wendepunkt nach 1900 Meter war schnell erreicht. Der Rückweg war aufgrund der Strömung und den Mengen an geschlucktem Salzwasser schon deutlich unangenehmer. Ich konnte meine Gruppe bis kurz für Ende der Schwimmstrecke halten und mich dann auf den letzten 400 Meter vor die Gruppe setzen (um keine Blockaden in der Wechselzone zu kassieren). Das Schwimmen lief für mich, als verhältnismäßig schlechter Schwimmer (und trotz der schwimmerischen Zwangspause) deutlich besser als gedacht.
Der erste Wechsel war inklusive dem obligatorischen umherirren in der Wechselzone auf der Suche nach dem Standort des Wechselbeutels absolut unspektakulär. Meine Familie teilte mir mit, dass ich auf Platz 14 einen Rückstand von 6 Minuten auf den ersten meiner Altersklasse habe.
Beim Radfahren hatte ich es dann von Anfang an sehr schwer meinen Rhythmus zu finden. Zum einen weil ich es möglicherweise beim Schwimmen etwas zu hart angegangen bin, zum andern weil das Herstellen des geforderten Abstandes von 12 Meter zum Vordermann aufgrund der zu Anfangs sehr vollen Radstrecke sehr stressig war.
Ich ordnete mich bis km 40 somit erstmal hinter einer Gruppe ein und versuchte ruhig zu bleiben. Als die Gruppen auseinander gerissen wurden versuchte ich mich möglichst klein zu machen und Zeit auf meine Konkurrenten gutzumachen.
Als ich mich schließlich im Anstieg zum Wendepunkt in Hawaii ausreichend nach vorne gearbeitet hatte, sprang meine Kette ab und wickelte sich um meinen Umwerfer. Dadurch war ich zum Anhalten gezwungen. Nach gut dreiminütiger Reparatur konnte es weitergehen. Meinen Rhythmus beim Radfahren sollte ich an diesem Tag nicht wiederfinden. Der Rückweg nach Kailua war eine einzige Quälerei. Ich konnte meine Radstärke leider nicht ausspielen und erreichte mit einem Rückstand von 16 Minuten auf den ersten Platz meiner Altersklasse die zweite Wechselzone.
Ich war eigentlich überzeugt, aufgrund der insgesamt schwachen Radleistung (die gut 10 % unter der mit meinem Trainer abgesprochen Leistungsvorgabe lag), topfit in den Marathon starten zu können: Doch auch hier war es ab dem ersten Schritt extrem hart. Jedoch fand ich trotz aller Schmerzen meinen Rhythmus beim Laufen. Mir war klar, dass ich nur mein Tempo halten muss, um entscheidende Schritte auf dem Weg Richtung Podium zu machen. Dies gelang mir bis Kilometer 27 extrem gut, sodass ich mich von Platz 10 auf Platz 3 vorarbeiten konnte. Nach Überwinden meines absoluten Tiefpunktes im Energy Lab konnte ich zwar meine anfängliche Geschwindigkeit nicht mehr halten, dennoch verkürzte sich der Abstand auf Platz 2 und Platz 1 immer weiter. Am Ende konnte ich den Abstand auf Platz 2 jedoch nur auf 25 Sekunden und den auf Platz 1 auf 4 Minuten reduzieren.
Wie ihr aus meinem Bericht vielleicht erkennt, bin ich mit meinem Rennen bei weitem nicht in allen Punkten zufrieden. Ich hätte mich an einigen Punkten taktisch klüger verhalten sollen und in ein paar Punkten härter mit mir selbst sein müssen.
Jedoch läuft keine Langdistanz, insbesondere nicht auf Hawaii, perfekt – abgesehen man heißt Jan Frodeno. Ich bin selten beim Laufen so an meine Grenzen gegangen wie an diesem Tag.
Mir ist wieder einmal bewusst geworden, dass ich noch einige Schritte zu gehen habe, um der Sportler zu werden der ich sein möchte. Das Rennen auf Hawaii war jedoch zweifellos ein großer Schritt in die richtige Richtung.

Abschließend möchte ich mich noch für die großartige Unterstützung und die Glückwünsche bedanken. Mein Dank gilt in besonderem Maß auch STEITZ SECURA, die mich für Hawaii sowohl mit den stylischen Sportklamotten, als auch mit notwendigen Ersatzteilen für mein Zeitfahrrad versorgt haben.